One good thing about music, when it hits you, you feel no pain.
— Bob Marley
Dieser Blog wurde von mir erstellt, um sich mit den Themen Singen, Spielen, Aufnahme und Technik und Song-Writing zu befassen, und einfach allem, was sonst noch so dazu gehört, ein Stück Musik entstehen zu lassen. Hauptsächlich will ich mich mit dem Song-Writing bzw. dem Komponieren befassen, doch auch andere Themen wie was trinke ich als Sänger vor einem Konzert/Recording (am besten warmes Wasser) oder Emotionen ausdrücken sollen nicht zu kurz kommen.
Beachtet bitte, dass ich kein Guru bin und euch nur Inspirationen zur Verfügung stelle. Wenn ihr davon profitiert, so freut es mich 🙂 Ansonsten bin ich gespannt auf den Writing-Prozess, weil ich weiß, auch ich werde dabei lernen. Bis bald!
Hat man sich einige einleitende Gedanken gemacht, so kann man den Songwriting-Prozess beginnen.
Zwei grundsätzliche Herangehensweisen wären:
improvisieren, danach aufschreiben
in Gedanken/am Papier beginnen
… und natürlich gibt es alle möglichen Zwischenvarianten.
Wir werden nicht improvisieren, sondern uns vor ein Notenblatt setzen.
Für dieses Song-Projekt habe ich mich entschieden, für Tenor und Klavier zu komponieren und das Ganze mit Maracas zu begleiten. Das Stück soll in E-Moll geschrieben sein.
Das könnte zum Beispiel so ausschauen.
Das C mit dem Strich bedeutet alla breve, 2/2 Takt. Im Mittelalter dachte man, der Takt 3/4 sei ein „vollkommener“ Takt dieser wurde mit einem Kreis bezeichnet. Andere Takte waren unvollkommen, so wird heute noch der 4/4 mit einem c (heute „common time“) bezeichnet. Ist das C von oben nach unten durchgestrichen, so ist es 2/2, nicht 4/4. Diese Taktart wird gerne für etwas flottere Stücke verwendet. So, jetzt genug Theorie. Wir schreiben jetzt etwas Musik.
Wo könnten wir beginnen? In der Harmonie (Akkorde), im Rhyhtmus, in der Lead-Stimme. Ich fange einmal mit dem Harmonieinstrument an, das ein kleines Intro spielt:
Wie ihr sehen könnt, spielt das Klavier eine kleine Akkord-Zerlegung, im Bass den Grundton und rechte Hand Terz Quint, Quint, Terz Quint. Ihr seht auch, dass ich ein B geschrieben habe anstatt Bm. Ich habe euch also noch nicht gesagt, in welcher Moll-Tonart das Stück steht. In diesem Fall ist es Harmonisch Moll. Das d ist zum Leitton d# erhöht. Harmonisch-Moll hat sehr viel Dramatik, finde ich. Die Maracas schweigen momentan.
Jetzt können wir einen Text oder eine Melodie finden, oder beides zusammen. Töne, die im Akkord enthalten sind, werden oft genommen, es können aber auch Töne genommen werden, die nicht gespielt werden, sogar Tonleiter-nicht-eigene Töne.
Auf diese kleine Melodie bin ich gekommen. Es werden großteils die die Akkordtöne Prim (1), Terz (3) und Quint (5) verwendet, an einer Stelle aber auch die 13. Einmal kommt sogar die b3, während in der Harmonie die 3 gespielt wird. Ich werde ab jetzt die Zahlen verwenden, aus Gewohnheit heraus. Wer damit nicht vertraut ist, man schreibt:
1 Prim 2/9 Sekund 3 Terz (b3 Kleine Terz) 4/11 Quart 5 Quint 6/13 Sext und so weiter. Dazu kann ich bei Bedarf an gesonderter Stelle nochmal etwas schreiben.
Einen Textansatz haben wir auch schon gefunden, wobei die Bedeutung ungefähr bei „Tu was du willst, denn niemand wird zuhören.“ liegt. Es ist nur ein kleiner Anfang. Die Maracas spielen derzeit einmal die betonten, und dann wieder die unbetonten Beats, vielleicht ändere ich das aber noch. Es ist ein eher langsameres Stück, vielleicht könnte man es Moderato oder Andante spielen, was ungefähr einer SLOW BALLAD entsprechen dürfte. Bei den Tempobezeichnungen gehen die Ansichten, was Moderato und was Andante ist, teilweise ein bisschen auseinander.
Das ganze Stück klingt bis hierher eher traurig, eher schwerer, seriös. Das kommt auch dadurch zustande, dass wir die Kadenz Im – IVm – V in abgewandelter Form verwenden. IVm – V – IVm – V wird im Vorspiel verwendet, danach erst kommt in Takt 6 der Grundakkord Im vor, also das Em. Die Stufenakkorde VI und VII deuten eine Veränderung an, es wird hier aber nur angedeutet.
Im Refrain könnte man z.B. eine Dur-Kadenz verwenden oder ganz in eine andere Tonart wechseln. Das bleibt uns für das nächste Mal!
In den nächsten paar Beiträgen möchte ich vorstellen, wie ein Song entsteht. Dies stellt natürlich nur eine Möglichkeit von vielen vor, wie so etwas von sich gehen kann. Jeder Song-Writer und Komponist hat eigene Zugänge dazu.
Im ersten Beitrag möchte ich einmal auf einige Überlegung hinweisen, die den Songwriting-Prozess einleiten könnten:
Instrumentation
Sänger oder Lead-Instrument (kann Z.B. Gitarre sein)
Thema des Stücks (sei es musikalisch oder emotional, politisch…)
Einzelstück oder eine Reihe von zusammenhängenden Stücken. Wo ist der Zusammenhang? Thematisch? Überleitungen?
Sprache des Stücks
Tonumfang vom Sänger (und natürlich auch der Instrumente)
für wen ist der Song geschrieben? Kann diese Person Noten lesen, oder werden andere Möglichkeiten verwendet. Man kann z.B. Tabulatoren für Gitarristen verwenden, Aufnahmen verwenden, Notenlängen kann man mit Strichen andeuten, man kann eigene Symbole für Percussion verwenden oder die tonale Funktion mit 1234567 (resp. 12b345b6b7 in Moll) andeuten, so ist z.B. die 3, die Terz in C-Dur ein e. Dies alles kann schon einmal einen ersten Eindruck vom Song, oder von den Vorstellungen des Komponisten lieferen. Eine Harmonie kann auch in Programmen wie fl-STudio oder Ableton Live erzeugt werden, ein Sänger kann darüber improvisieren. Ist bereits ein Text vorhanden, so kann dieser in einer Word-Cloud arrangiert werden, um nocheinmal einen anderen Eindruck davon zu bekommen.
Alle diese Überlegungen dienen als Inspirationen, nicht als starre Vorgaben. Wem das alles nicht liegt, der kann sich einfach ein Stück Papier schnappen und wild drauf los komponieren.
Noten sind nicht zwingend notwendig, um sich musikalisch auszudrücken. Man kann auch Bilder oder selber erfundene Symbole malen. Wichtig ist nur, dass eure Interpreten sie verstehen. Diether de la Motte stellt da einige interessante Ideen in seinem Buch vor. In unserem Fall werden wir uns auf Noten beschränken, nachdem dies allgemein geläufig ist.
Einige Überlegungen könnten wir noch anstellen, bevor wir zur Sache gehen, nämlich:
die Tonart
die Taktart
welche Form soll das Stück haben (Intro, Strphen 1,2,3…, Refrain, Bridge, Outro..)
sollen Modulationen oder Taktartwechsel vorkommen
Titel
Tempo
Ist die Länge vorgegeben?
Ist es evl. ein Auftragsstück mit Vorgaben?
Verwendet euer Mensch am Harmonieinstrument Akkordsymbole oder Noten?
Sollen sich die Interpreten eher an die Vorgaben halten oder eher frei improvisieren?
welches Genre sollte das Stück haben, eventuelle Cross-Overs…
wollen wir auf Papier oder in einem Notensatzprogramm wie Musescore oder Tux Guitar verwenden? Diese Art Programm gibt es kommerziell und gratis , wobei die erwähnten kostenfrei heruntergeladen werden können. Wir werden fürs erste Noten schreiben und dazu Musescore verwenden.
Anmerkung: Alle diese Überlegungen können natürlich auch zu einem späteren Zeitpunkt gemacht werden, und so ist es auch oft in der Praxis. Andere Menschen sind wieder sehr strukturiert und wollen von Anfang wissen, wohin es gehen wird bzw. müssen eine gewissen Vorgabe einhalten.
Es gibt also vieles, was man schon bedenken kann, bevor man noch zu schreiben anfängt. Im nächsten Teil werden wir ein paar Einstiege in einen Song betrachten. Man kann z.B. mit der Lead-Stimme beginnen oder mit der Begleitung, mit der Harmonie oder mit dem Rhythmus oder beidem, mit einer Improvisation oder mit dem Text oder einer anderen Möglichkeit.
Literaturreferenzen: Diether de la Motte – Wege zum Komponieren. Ermutigung und Hilfestellung. Bärenreiter, Kassel 2001, ISBN 3-7618-1290-6.