Hat man sich einige einleitende Gedanken gemacht, so kann man den Songwriting-Prozess beginnen.
Zwei grundsätzliche Herangehensweisen wären:
- improvisieren, danach aufschreiben
- in Gedanken/am Papier beginnen
… und natürlich gibt es alle möglichen Zwischenvarianten.
Wir werden nicht improvisieren, sondern uns vor ein Notenblatt setzen.
Für dieses Song-Projekt habe ich mich entschieden, für Tenor und Klavier zu komponieren und das Ganze mit Maracas zu begleiten. Das Stück soll in E-Moll geschrieben sein.

Das könnte zum Beispiel so ausschauen.
Das C mit dem Strich bedeutet alla breve, 2/2 Takt. Im Mittelalter dachte man, der Takt 3/4 sei ein „vollkommener“ Takt dieser wurde mit einem Kreis bezeichnet. Andere Takte waren unvollkommen, so wird heute noch der 4/4 mit einem c (heute „common time“) bezeichnet. Ist das C von oben nach unten durchgestrichen, so ist es 2/2, nicht 4/4. Diese Taktart wird gerne für etwas flottere Stücke verwendet. So, jetzt genug Theorie. Wir schreiben jetzt etwas Musik.
Wo könnten wir beginnen? In der Harmonie (Akkorde), im Rhyhtmus, in der Lead-Stimme. Ich fange einmal mit dem Harmonieinstrument an, das ein kleines Intro spielt:

Wie ihr sehen könnt, spielt das Klavier eine kleine Akkord-Zerlegung, im Bass den Grundton und rechte Hand Terz Quint, Quint, Terz Quint. Ihr seht auch, dass ich ein B geschrieben habe anstatt Bm. Ich habe euch also noch nicht gesagt, in welcher Moll-Tonart das Stück steht. In diesem Fall ist es Harmonisch Moll. Das d ist zum Leitton d# erhöht. Harmonisch-Moll hat sehr viel Dramatik, finde ich. Die Maracas schweigen momentan.
Jetzt können wir einen Text oder eine Melodie finden, oder beides zusammen. Töne, die im Akkord enthalten sind, werden oft genommen, es können aber auch Töne genommen werden, die nicht gespielt werden, sogar Tonleiter-nicht-eigene Töne.

Auf diese kleine Melodie bin ich gekommen. Es werden großteils die die Akkordtöne Prim (1), Terz (3) und Quint (5) verwendet, an einer Stelle aber auch die 13. Einmal kommt sogar die b3, während in der Harmonie die 3 gespielt wird. Ich werde ab jetzt die Zahlen verwenden, aus Gewohnheit heraus. Wer damit nicht vertraut ist, man schreibt:
1 Prim
2/9 Sekund
3 Terz (b3 Kleine Terz)
4/11 Quart
5 Quint
6/13 Sext
und so weiter. Dazu kann ich bei Bedarf an gesonderter Stelle nochmal etwas schreiben.
Einen Textansatz haben wir auch schon gefunden, wobei die Bedeutung ungefähr bei „Tu was du willst, denn niemand wird zuhören.“ liegt. Es ist nur ein kleiner Anfang. Die Maracas spielen derzeit einmal die betonten, und dann wieder die unbetonten Beats, vielleicht ändere ich das aber noch. Es ist ein eher langsameres Stück, vielleicht könnte man es Moderato oder Andante spielen, was ungefähr einer SLOW BALLAD entsprechen dürfte. Bei den Tempobezeichnungen gehen die Ansichten, was Moderato und was Andante ist, teilweise ein bisschen auseinander.
Das ganze Stück klingt bis hierher eher traurig, eher schwerer, seriös. Das kommt auch dadurch zustande, dass wir die Kadenz Im – IVm – V in abgewandelter Form verwenden. IVm – V – IVm – V wird im Vorspiel verwendet, danach erst kommt in Takt 6 der Grundakkord Im vor, also das Em. Die Stufenakkorde VI und VII deuten eine Veränderung an, es wird hier aber nur angedeutet.
Im Refrain könnte man z.B. eine Dur-Kadenz verwenden oder ganz in eine andere Tonart wechseln. Das bleibt uns für das nächste Mal!
Weblinks:
Hier noch einmal zum musikalischen Tempo:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tempo_(Musik)
Verwendete Software (zum Notenschreiben):
musescore.org